Ist das Plusenergiehaus das Haus der Zukunft?

Die Antwort auf die Frage im Titel dieses Artikels muss ein klares Ja sein. Dabei sollte zunächst einmal die Definition für das Plusenergiehaus herangezogen werden, um dies zu verdeutlichen. 

Was ist ein Plusenergiehaus?

Der wichtigste Faktor für die Bezeichnung Plusenergiehaus ist eine positive Energiebilanz. Das bedeutet schlicht, dass das Haus mehr Energie produziert, als es über das Jahr selbst benötigt. Dem ähnlich gestellt ist das Nullenergiehaus. Der Unterschied liegt eigentlich nur in markttechnischen Mechanismen. Während das Nullenergiehaus einen sogenannten Standard im Baugewerbe darstellt, ist die Bezeichnung Plusenergiehaus markenrechtlich geschützt. Aufgrund der bestehenden Gebäude, die als Plusenergiehaus ausgeführt sind, entsprechen diese dem baugewerblichen Standard und übertreffen ihn dazu noch.

Das Kraftwerk Haus

Wenn eine Anlage mehr Energie produziert, als sie selbst benötigt, so stellt sie im technischen Sinne ein Kraftwerk dar. Das gilt gleichermaßen für ein Plusenergiehaus. Allerdings sieht der Entwickler des Plusenergiehauses, der Architekt Rolf Disch, das Konzept wesentlich umfassender. Das basiert auf der Annahme, dass durch eine Umkehrung der Energienutzung nicht nur ein ökologischer und ökonomischer Vorteil erzielt wird, sondern sich gleichermaßen neue Facetten und Möglichkeiten in sozialen und gesellschaftlichen Belangen ergeben. Dieser Vorteil des Energieüberschusses für jeden einzelnen Haushalt beinhaltet einen weiteren wichtigen Faktor gerade in einer Industriegesellschaft. Den des Verkehrs und der Kommunikation. Beides Vorgänge, die in ihrer Funktionalität in hohem Maße von ausreichender Energie abhängig sind. Folglich ist der sozial-politische Ansatz eines Plusenergiehauses wesentlich weitreichender als einfach nur das Übertreffen eines baugewerblichen Standards.

Wie wird die Energie produziert?

Natürlich befindet sich in einem Plusenergiehaus weder ein miniaturisiertes Kohle- noch ein Atomkraftwerk. Vielmehr ist es eine Kopplung verschiedener Systeme zur Energiegewinnung aus regenerativen Energieformen. Das sind in hohem Maße solartechnische Anlagen, aber je nach Möglichkeit auch thermische Systeme wie Luft- und Erdwärmepumpen sowie Mini-Blockheizkraftwerke. Dies wird mit der besonderen Architektur kombiniert, in der ein Plusenergiehaus ausgeführt ist. Dazu gehören große Dachflächen, die in ihrer Neigung dem Sonnenverlauf angepasst sind und weit überstehende Dachkanten besitzen, die zum einen die Solarfläche vergrößern und zum anderen das Hausklima je nach Jahreszeit positiv beeinflussen. Im Sommer werfen die langen Dachüberstände kühlenden Schatten, im Winter dringen die Strahlen der tief stehenden Sonne in das Gebäude ein und erwärmen die Räume hinter den großen Fensterflächen, die mit einer infrarotreflektierenden Dreifach-Isolierverglasung ausgestattet sind. Ausgerichtet sind die Fensterflächen dabei natürlich nach Süden, hingegen die Nordseite eine durchgezogene, aufwendige Wärmedämmung besitzt. Dazu kommen spezielle Baumaterialien, sowohl für die Fassade wie auch die Innenwände, die eine energiespeichernde Funktion besitzen. Abgerundet wird das System des Plusenergiehauses durch eine ausgeklügelte Lüftung, die die in der Abluft befindliche Energie optimal nutzt. Wie deutlich sich ein Plusenergiehaus von anderen, herkömmlichen Häuserstandards unterscheidet, zeigt sich in einer kleinen Aufstellung, die den Verbrauch beinhaltet:

  • – 435 kWh, der aktuelle Durchschnittsverbrauch an Gebäuden in Deutschland
  • – 260 kWh, der Maximalverbrauch nach der EnEv 2009
  • – 120 kWh, soviel darf ein Passivhaus immer noch verbrauchen
  • + 36 kWh, soviel Energie erzeugt ein Plusenergiehaus zusätzlich zum Verbrauch

Diese Zahlen basieren auf der Annahme der Nutzung von 137 m2 Wohnfläche durch drei Bewohner.

Ist ein Plusenergiehaus bezahlbar?

Der Bau eines Hauses ist eine kaptalintensive Angelegenheit und jeder „Häuslebauer“ möchte natürlich gerade beim Bau selbst möglichst viel sparen, um die folgenden monatlichen Belastungen gering zu halten. Dabei wird aber oft vergessen, dass die Kosten für den Energieverbrauch einen erheblichen Anteil am monatlichen Budget ausmachen. Vor allem dann, wenn dabei Energieformen genutzt werden, deren Preisentwicklung extrem schwankend ist. Von der ökologischen Frage nach der Herkunft der Heizmittel einmal ganz abgesehen. Natürlich sind die Baukosten aktuell für ein Plusenergiehaus höher veranschlagt als für ein herkömmliches Haus, das den Standards der EnEv entspricht. Aber hierbei muss einberechnet werden, dass dieses Haus im Betrieb Geld macht und nicht buchstäblich zum Fenster rauswirft. Auch heute noch bestehen gesetzliche Regelungen zur Einspeisevergütung elektrischen Stromes durch PV-Anlagen. So beträgt die Einspeisevergütung für ein Wohnhaus, dessen PV-Anlage im Dezember 2014 in Betrieb genommen wird, je nach Größe der Solarfläche zwischen 10,95 und 12,59 Cent pro kWh.

Ist ein Plusenergiehaus nachhaltig?

Die Frage nach der Nachhaltigkeit eines Hauses ist sehr komplex, denn dies betrifft zum einen die Herstellung aller Baumaterialien genauso wie deren Verwendung während der Bauphase und auch deren Wiederverwertbarkeit, wenn das Haus irgendwann in der Zukunft nicht mehr genutzt wird. Ein Vorteil der schon vor vielen Jahren eingeleiteten Energiewende waren schon damals die Berücksichtigung ökologischer Maßnahmen und Prinzipien zur Herstellung von Baumaterialien. Dazu gehört unter anderem die Verwendung von zertifiziertem Bauholz aus nachwachsenden Beständen genauso wie Dämmstoffe auf biologischer Grundlage. Nicht alles ist möglich. Gerade in der modernen Architektur werden teilweise Materialien genutzt, die in der Fertigung einen hohen Energieverbrauch besitzen. Das wird aber in der Regel durch deren besondere Funktionalität im Haus wieder ausgeglichen. Für den Hausbau lassen sich anhand der verwendeten Materialien, deren industrielle oder handwerkliche Fertigung genauso wie der Energieaufwand während des Baus, sogenannte Energierücklaufzeiten erstellen. Das beinhaltet den Zeitraum, den etwa ein Plusenergiehaus benötigt, um die verbrauchte Energie wieder zu erwirtschaften beziehungsweise einzusparen. In der Regel handelt es sich dabei um einen Zeitrahmen von 10 bis 12 Jahren.

Auch das spätere Recycling oder die weitere Verwertung eines Plusenergiehauses, wenn es dann vielleicht mehrere Generationen später nicht mehr genutzt wird, ist durch die Nutzung modernster Materialien nach heutigem Standard kein Problem. Dabei werden in der Zukunft sicherlich qualitativ noch höherwertige Produkte eingesetzt, um den in unseren Breitengraden vorherrschenden Klimaverhältnissen zu entsprechen. Unvergängliche Produkte wie etwa Glas können entsprechend aufbereitet und konditioniert werden, ohne es wieder einschmelzen zu müssen und ein weiterer Faktor sind Märkte in wesentlich milderen Klimazonen, deren Ansprüche an die Wärmedämmung geringer sind. Denn die beste Form des Recycling ist die direkte Wiedernutzung.

Bildquelle:
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